Warum wir uns vor der Kamera unwohl fühlen

Shownotes

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00:00:00: Hallo, schön dass du da bist und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nahaufnahme.

00:00:07: In der letzten Folge ging es darum was unsere Bilder über uns selbst verraten also darum das wir in der Porträtfotografie nicht nur andere Menschen zeigen sondern immer auch ein Stück von uns selbst.

00:00:21: Und heute möchte ich an einem Punkt ansetzen den wahrscheinlich sehr viele kennen unabhängig davon ob sie selbst fotografieren oder eher vor der Kamera stehen.

00:00:33: Warum fühlen sich eigentlich so viele Menschen vor der Kamera unwohl?

00:00:39: Vielleicht kennst du das!

00:00:41: Du bist ganz normal im Gespräch, fühlst dich wohl, bewegst dich auf eine ganz natürliche Art und Weise... Und in dem Moment, in dem eine Kamera auf dich gerichtet ist zum Beispiel auf einer Familienfeier verändert sich etwas.

00:00:57: Du wirst dir deiner selbst plötzlich sehr bewusst Wie stehe ich gerade?

00:01:03: Wie sehe ich aus und was mache ich mit meinen Händen.

00:01:08: Und genau das ist, glaube ich einer der zentralen Punkte.

00:01:12: Wir verlassen dann den Moment und beginnen uns selbst zu beobachten.

00:01:19: Dazu kommt oft noch etwas anderes Der Wunsch es gutzumachen und vielleicht auch möglichst gut auszusehen.

00:01:29: Das ist auch total menschlich.

00:01:32: Aber genau dieser Anspruch erzeugt meiner Meinung nach Druck, denn plötzlich geht es nicht mehr darum einfach da zu sein sondern darum einem bestimmten Bild von sich selbst gerecht zu werden und das funktioniert in der Realität häufig nicht.

00:01:52: Ein weiterer Punkt ist dass viele Menschen gar nicht genau wissen wie soll ich mich eigentlich verhalten?

00:02:00: Soll ich locker sein ernst schauen Lächeln, mich bewegen oder stillstehen.

00:02:07: Und genau diese Form der Unsicherheit führt oft dazu dass man sich verkampft nicht weil man etwas objektiv falsch macht sondern ganz einfach weil es keine klare Orientierung gibt und was meiner mal nach ebenfalls eine Rolle spielt sogar eine relativ große Rolle das ist ein gewisser Kontrollverlust Denn in dem Moment, indem jemand anderes die Kamera in der Hand hat geben wir einen Teil der Kontrolle ab.

00:02:43: Wir wissen nicht genau wie wir wirken welcher Moment eingefangen wird und was am Ende von uns sichtbar ist.

00:02:53: Und genau das kann dieses Gefühl von Unsicherheit auslösen.

00:02:59: Ich glaube dass dieser Kontrollverlust im übrigen auch ein Grund dafür ist dass viele Menschen heutzutage einerseits überhaupt kein Problem damit haben, jeden Tag Selfies zu machen und diese auch auf Social Media zu posten.

00:03:18: Und sich dann aber andererseits unwohl fühlen wenn sie von jemand anderem fotografiert werden sogar dann wenn Sie diesen Menschen gut kennen.

00:03:28: und apropos alltäglich.

00:03:32: natürlich spielt auch Erfahrung eine Rolle.

00:03:34: Wenn man selten fotografiert wird fühlt sich die Situation oft ungewohnt an.

00:03:40: Und vieles wird leichter, je öfter man sich darauf einlässt.

00:03:43: Außerdem ist es häufig so... dass ich eigentlich nur die ersten Minuten eines Shootings befremdlich anfühlen.

00:03:51: Das ist ein Punkt den ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

00:03:56: Denn ich tanze selbst schon einmal vor der Kamera und habe dabei gemerkt das ich etwas ganz Interessantes dabei entwickelt.

00:04:04: Am Anfang dieser Shootings nämlich war ich deutlich angespannter, obwohl ich ja zumindest zum Teil die Menschen hinter der Kamera bereits im Vorfeld kannte.

00:04:15: Und je länger das Ganze gedauert hat desto entspannter wurde ich und desto besser wurden dementsprechend auch die Bilder.

00:04:23: also die wirklich guten Bilder sind bei mir dann meistens erst in der zweiten Hälfte oder gegen Ende des Shootings entstanden und Ich glaube dass liegt einfach daran dass man Zeit braucht, um in so eine Situation hineinzufinden und vielleicht auch um ein Stück weit loszulassen.

00:04:45: So war es zumindest bei mir denn ich glaube ich war am Anfang einfach zu stark mit Selbstbeobachtung und der Frage wie ich vor der Kamera wirke mental beschäftigt.

00:04:57: Gleichzeitig ist mir aber auch wichtig zu sagen das ist mit Sicherheit nicht bei jedem so.

00:05:02: Manche Menschen sind sehr schnell drin und fühlen sich von Anfang an wohl.

00:05:07: Das habe ich auch schon beobachtet, wenn ich hinter der Kamera stehe.

00:05:12: Ich denke also dass das letztlich auch ein Stück weit eine Typfrage ist Aber für viele kann es helfen zu wissen, dass es völlig normal ist Wenn sich die ersten Minuten noch ungewohnt anfühlen.

00:05:24: und da sich vieles im Laufe eines Shootings ganz von selbst entwickelt.

00:05:28: Und was das unwohl sein vor der Kamera angeht kommen denke ich noch Ein paar ganz praktische Dinge dazu Erfahrungen aus der Vergangenheit zum Beispiel, dass es Bilder gibt auf denen man sich selbst nicht gefallen hat oder Situationen die sich unangenehm angefühlt haben und diese Erfahrung prägen natürlich wie man in ein neues Shooting dann auch hineingeht.

00:05:53: Und einen weiterer Punkt der aus meiner Sicht oft unterschätzt wird das ist die Verbindung zu Fotografen oder zur Fotografin.

00:06:02: wenn Vertrauen da ist verändert sich oft sehr viel.

00:06:06: Wenn man das Gefühl hat verstanden zu werden, nicht bewertet zu werden und einfach sein zu dürfen dann wird die Situation automatisch entspannter.

00:06:18: Wenn man sich das alles einmal zusammenfassend vor Augen führt dann stellt sich natürlich die Frage was kann dabei helfen sich vor der Kamera wohler zu fühlen?

00:06:31: Und ich glaube dabei geht es dann weniger um konkrete Techniken sondern eher um kleine Perspektivwechsel.

00:06:39: Ein erster Schritt zum Beispiel könnte sein, den Fokus zu verändern.

00:06:44: Weg von wie sehe ich geradeaus hinzu was passiert gerade eigentlich?

00:06:51: Also mehr im Moment sein statt sich von außen zu betrachten auch wenn das natürlich erstmal leichter gesagt als getan ist.

00:06:59: aber genau an dem Punkt kann man als Fotograf die Situation auch positiv beeinflussen indem man sich zum Beispiel vor einem Shooting erstmal entspannt unterhält und vor allen Dingen den Menschen vor der Kamera versucht dort abzuholen, wo er gerade steht im übertragenen Sinne.

00:07:19: Und ein zweiter Punkt ist für mich Atmosphäre statt Perfektion.

00:07:25: Ein gutes Bild entsteht selten dadurch dass man alles richtig macht sondern oft dadurch dass man sich in einer Situation wohl fühlt und das Raum entsteht, indem man einfach man selbst sein kann.

00:07:42: Und nicht das Gefühl hat etwas erfüllen zu müssen.

00:07:47: Ich denke am Ende geht es gar nicht darum perfekt zu wirken sondern sich selbst ein Stück näherzukommen.

00:07:56: ich glaube dass genau darin auch eine große Chance bei Fotoshootings liegt Dass man Die Kamera nicht nur als etwas sieht, das bewertet oder festhält sondern vielleicht auch als etwas dass einen neuen Blick auf sich selbst ermöglicht.

00:08:12: Mich würde sehr interessieren wie du das erlebst.

00:08:15: Fühlst Du Dich vor der Kamera eher wohl?

00:08:18: Oder eher unsicher und was hilft Dir dabei dich wohler zu fühlen?

00:08:23: Schreibt mir das gern!

00:08:25: In vierzehn Tagen geht es dann wie gewohnt mit einer neuen Folge von Nahaufnahme weiter Und bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit.

00:08:38: Bis bald Dominik.

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