Welche Bilder bleiben?

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00:00:00: Hallo, schön dass du da bist und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nahaufnahme.

00:00:07: Heute möchte ich über ein Thema sprechen das nach einem Shooting ziemlich wichtig wird über das aber erstaunlich wenig gesprochen wird.

00:00:18: es geht um Bildauswahl also um die Frage welche Bilder nach einem shooting überhaupt bleiben?

00:00:27: Welche Bilder in eine Auswahlgalerie kommen welche am Ende bearbeitet werden.

00:00:33: Und es geht auch darum, wer diese Entscheidung eigentlich trifft.

00:00:38: Gerade bei freien Projekten und TFP-Shootings kann dieses Thema schnell zur Unsicherheit führen – und zwar auf beiden Seiten!

00:00:47: Ein Model fragt sich vielleicht «Wie viele Bilder darf ich nach einem Shooting erwarten?».

00:00:54: Bekomme ich alle Bilder zu sehen, darf ich bei der Auswahl mitentscheiden?

00:00:59: Fotografin und Fotographen fragen sich umgekehrt, wie groß sollte eine Auswahlgalerie eigentlich sein?

00:01:07: Wie viele Bilder kann ich realistisch bearbeiten.

00:01:10: Und welche Bilder möchte ich überhaupt mit meinem Namen verbunden sehen?

00:01:16: Das Schwierige daran ist es gibt dafür keine allgemeingültigen Regeln.

00:01:22: Es gibt keinen Leitfaden der zum Beispiel sagt Nach zwei Stunden Shooting müssen mindestens zehn Bilder bearbeitet werden oder eine Auswahlgalerie muss ab einer bestimmten Shootingdauer eine bestimmte Anzahl an Bildern enthalten.

00:01:36: So funktioniert Fotografie nicht und die Arbeitsweisen sind auch sehr unterschiedlich, fast so unterschiedlich wie Preise, Stundensätze, Shootingkonzepte oder Bildstile.

00:01:50: Und ich denke genau deshalb entsteht so viel Unsicherheit, weil beide Seiten mit Erwartungen in ein Shooting gehen können die vorher gar nicht unbedingt ausgesprochen wurden.

00:02:03: Und deshalb möchte ich heute keine feste Regel aufstellen denn das wäre wahrscheinlich weder sinnvoll noch möglich.

00:02:12: Ich möchte eher darüber sprechen wie ich persönlich inzwischen auf das Thema Bildauswahl schaue Wie sich meine Haltung im Laufe der Zeit dazu verändert hat Und warum ich glaube, dass eine gute Auswahl nicht einfach möglichst groß sein sollte sondern vor allem hilfreich fair und sorgfältig.

00:02:34: Denn Bildauswahl ist für mich nicht nur ein technischer Schritt nach dem Shooting.

00:02:40: Sie hat etwas mit Qualität zu tun Mit Kommunikation Mit Vertrauen Und auch mit der Frage wie man als Fotograf die eigene Arbeit versteht.

00:02:52: einfach mal mit meiner eigenen Entwicklung an.

00:02:56: Denn mir ist Bildauswahl am Anfang selbst nicht leicht gefallen, gerade in meinen ersten Jahren als Fotograf hatte ich oft den Impuls möglichst viel zu zeigen.

00:03:06: Ich dachte damals je größer die Auswahl desto besser.

00:03:10: Dann hat das Model mehr Möglichkeiten, mehr Vielfalt Mehr Gesichtsausdrücke, mehr Posen, mehr Material und Das war auch wirklich gut gemeint.

00:03:22: Aber gut gemeint ist bei der Bildauswahl nicht automatisch gut gelöst.

00:03:29: Ich erinnere mich noch an mein erstes größeres Projekt-Shooting vor vielen Jahren, das Shooting dauerte ungefähr drei bis vier Stunden und danach habe ich den Model über fünfhundert Bilder zur Auswahl bereitgestellt.

00:03:44: Über fünfhundert!

00:03:45: Und aus heutiger Sicht würde ich sagen... ...das war weniger eine Auswahlgalerie Das war einfach alles, was an dem Tag entstanden ist.

00:03:59: Und damit war wirklich wahrscheinlich so gut wie alles drin.

00:04:05: Sehr gute Bilder einigermaßen gute Bilder mittelmäßige viele ähnliche Varianten und vermutlich auch einige Bilder die ich heute gar nicht mehr in eine Auswahlgalerie mit aufnehmen würde.

00:04:20: Damals dachte ich wahrscheinlich, ich würde dem Model damit etwas Gutes tun.

00:04:23: Weil... Ich nichts vorenthalten wollte sondern einfach die maximale Auswahl mitgeben wollte und damit auch zeigen was eben alles entstanden ist.

00:04:37: Aber die Rückmeldung von der Modell war auch ziemlich eindeutig nämlich sie sagte zu mir das ist einfach too much Und diese Rückmeltungen war auch sehr wichtig für mich damals.

00:04:51: Denn eine sehr große Auswahl kann auf den ersten Blick großzügig wirken, aber sie kann eben auch überfordern.

00:05:00: Wenn jemand durch hunderte Bilder gehen muss dann ist das nicht nur Freiheit sondern auch verdammt viel Arbeit.

00:05:07: Dann muss das Model oder der Kunde im Grunde einen Teil der Vorarbeit übernehmen die eigentlich ja bei mir als Fotograf liegt.

00:05:16: Ähnliche Bilder vergleichen mittelmäßige Varianten erkennen, technische Schwächen aussortieren und aus einer großen Menge herausfinden welche Bilder am Ende wirklich tragen.

00:05:29: Das klingt vielleicht erstmal nach einem Luxusproblem aber ich glaube es ist ein echter Punkt denn die stärksten Bilder können in einer zu großen Menge auch untergehen.

00:05:39: wenn alles gezeigt wird wirkt am ende manchmal weniger.

00:05:44: je länger ich fotografiere desto stärker merke.

00:05:47: Eine gute Auswahlgalerie ist nicht maximal groß, sondern sie ist maximal hilfreich.

00:05:56: Sie soll echte Auswahl ermöglichen aber eben auch niemandem erschlagen.

00:06:01: und genau dieser Punkt hat auch etwas wie ich finde mit Disziplin zu tun.

00:06:07: Nicht nur für das Model oder den Kunden, sondern auch für mich als Fotograf denn es ist gar nicht immer leicht konsequent auszusortieren vor allem dann nicht wenn Bilder Nicht schlecht sind, sondern nur mittelmäßig.

00:06:21: Oder wenn sie eine schöne Erinnerung an das Shooting enthalten oder wenn man denkt ach das könnte man vielleicht doch noch irgendwie mit reinnehmen.

00:06:30: Aber genau da beginnt für mich ein wichtiger Teil der eigentlichen Auswahl.

00:06:35: Denn eine gute Auswahl entsteht nicht nur dadurch dass man die offensichtlich schlechten Bilder löscht.

00:06:42: Sie entsteht Dadurch dass man den Mut hat Bilder wegzulassen die zwar irgendwie sympathisch sind, aber die Serie nicht wirklich stärker machen.

00:06:51: Und das gilt besonders bei sehr ähnlichen Motiven.

00:06:55: Nach einem guten Shooting gibt es oft mehrere Varianten, die auf den ersten Blick funktionieren.

00:07:00: Dann ist die Frage aber nicht Sind die alle irgendwie brauchbar?

00:07:05: Sondern Welches davon ist denn wirklich das Stärkste?

00:07:10: Welches Bild hat den klarsten Ausdruck Das beste Licht oder allgemein die überzeugendste Wirkung.

00:07:17: Und das zu beantworten, ist manchmal gar nicht so einfach und vielleicht ist genau das auch der Grund warum Bildauswahl einfach mehr ist als einfach nur die Verwaltung von Dateien.

00:07:31: Es ist eine wichtige gestalterische Entscheidung und wenn man sich anschaut wie unterschiedlich Fotografin und Fotografen arbeiten dann merkt man auch schnell wie KOS die ganze Bandbreite ist.

00:07:45: Es gibt Fotografen, die nach einem Shooting mehrere hundert Bilder zur Auswahl bereitstellen.

00:07:50: Manche liefern auch sehr große Mengenfinale bearbeiteter Bilder am Ende aus – teilweise mit Hilfe von Stapelverarbeitung oder inzwischen auch mit KI-gestützten Programmen, die bestimmte Arbeitsschritte auch stark beschleunigen können.

00:08:04: und auf der anderen Seite gibt es FotogRAFEN, die sehr streng auswählen – auch bei TFP-Shootings!

00:08:11: Da bekommt ein Model nach einem zweistündigen Shooting vielleicht gar keine Auswahlgalerie, sondern einfach fünf final bearbeitete Bilder.

00:08:19: Beide Arbeitsweisen gibt es und ich glaube es wäre falsch so zu tun als gäbe es nur den einen richtigen Weg.

00:08:27: Jede Fotografin und jeder Fotograf muss letztlich einen Workflow finden der zur eigenen Arbeit zum eigenen Anspruch und eben auch zum jeweiligen Shooting passt.

00:08:39: dass meine eigene Haltung irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegt.

00:08:45: Denn ich finde schon, das ein Model gerade bei freien Projekten oder TFP-Shootings eine echte Auswahlmöglichkeit haben sollte.

00:08:54: Denn es geht ja auch um die eigene Wirkung – um den Gesichtsausdruck, um das Körpergefühl und manchmal auch um Details, die ich als Fotograf möglicherweise anders wahrnehme als die fotografierte Person selbst.

00:09:08: Gleichzeitig heißt Auswahl für mich aber nicht, möglichst alles zu zeigen.

00:09:14: Und eine Auswahlgalerie sollte also nicht vollständig ungefiltert sein.

00:09:19: Sie sollte schon groß genug sein damit eine echte Wahl möglich ist Aber auch klein genug damit die Qualität stimmt und Die Entscheidung einen nicht überfordert.

00:09:31: und ich denke damit sind wir bei einem Satz in dem ganzen Zusammenhang der vielleicht ein bisschen abgetroschen oder abgenutzt klingt, der mir aber wirklich wichtig ist.

00:09:43: Und zwar Qualität vor Quantität.

00:09:48: Mehr Bilder bedeuten nicht automatisch eine stärkere Serie.

00:09:52: Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall!

00:09:54: Ein einzelnes starkes Bild kann mehr Wirkung haben als fünf ähnliche Bilder die sich gegenseitig schwächen.

00:10:01: und einer Auswahl wird nicht besser nur weil sie größer ist.

00:10:04: Und das gilt eben nicht nur für TFP-Shootings oder freie Projekte, es gilt genauso auch für Kundinnen und Kunden.

00:10:12: Denn ein zahlender Kunde ist aus meiner Sicht oft besser bedient mit fünf wirklich sorgfältig ausgewählten und bearbeiteten Bildern als mit zehn Stück bei denen jedes einzelne etwas weniger Aufmerksamkeit bekommen hat.

00:10:26: Denn am Ende geht es nicht darum möglichst viele Dateien zu liefern.

00:10:31: Es geht um Bilder die wirklich funktionieren und es geht um Bilder, die zum jeweiligen Zweck passen.

00:10:39: Und damit auch letztlich um Bilder hinter denen ich als Fotograf wirklich stehen kann.

00:10:48: Gerade bei Porträts finde ich diesen Punkt wichtig weil bei der Bildauswahl immer zwei Perspektiven aufeinandertreffen.

00:10:56: Ich sehe ein Bild Ich achte auf Licht, Bildaufbau, Schärfe, Hintergrund Gesamtwirkungen und auch darauf ob ein Bild zu meiner Bildsprache und zum restlichen Shooting passt.

00:11:12: Die fotografierte Person hingegen schaut oft anders.

00:11:16: Sie achtet vielleicht zuerst auf den Gesichtsausdruck Auf die Augen, die Körperhaltung oder vielleicht auch auf irgendein Detail dass mir vielleicht gar nicht sofort auffallen würde.

00:11:29: Und ich finde, beide Perspektiven sind berechtigt!

00:11:35: Nicht jedes Bild das fotografisch funktioniert fühlt sich für die fotografierte Person auch gut an und umgekehrt ist nicht jedes Bild auf dem sich ein Model sympathisch findet automatisch ein starkes oder veröffentlichungswürdiges Bild aus Fotografenperspektive.

00:11:55: Genau an der Stelle braucht es ein gutes Zusammenspiel.

00:11:59: Ich sortiere zum Beispiel Bilder aus, die Technik überhaupt nicht funktionieren – auch dann wenn der Gesichtsausdruck vielleicht sympathisch ist.

00:12:07: Wenn ein Bild aus Versehen unscharf geworden ist und das Licht am Ende doch nicht ganz so gestimmt hat oder wenn es meinem Qualitätsanspruch nicht entspricht, möchte ich jetzt auch nicht

00:12:20: veröffentlichen.".

00:12:21: Denn gerade als Fotograf hängt an veröffentlichen Bildern auch der eigene Name, die eigene Bildsprache und ein bestimmtes Qualitätsniveau.

00:12:32: Und das ist aus meiner Sicht keine Eitelkeit – das ist Verantwortung für die eigene Arbeit!

00:12:38: Umgekehrt gilt für mich aber genauso dass Bildauswahl keine Einbahnstraße sein kann.

00:12:44: Gerade bei den freien Projekten oder TFP-Shootings hat ein Model bei mir immer die Möglichkeit Bilder zu markieren, die ich nicht veröffentlichen soll.

00:12:55: Wenn ein Bild in einer Online-Galerie rot markiert wird vom Model dann respektiere ich das und veröffentlicht es nicht auch da nicht wenn ich es fotografisch eigentlich gelungen finde.

00:13:10: Denn bei Portrays gibt es eben diese zwei Ebenen Ich sehe das Bild als Fotograf Und die fotografierte Person sieht sich selbst.

00:13:19: Beide Seiten sollten ernst genommen werden.

00:13:23: Gleich könnte man sagen, ich bin als Fotograf verantwortlich für Qualität und Bildwirkung Und die fotografierte Person sollte aber mitentscheiden können welche Bilder von ihr öffentlich sichtbar werden Zumindest in dem Rahmen den man vorher miteinander vereinbart hat.

00:13:39: und letztlich ist das glaube Ich auch eine wichtige Grundlage Für Vertrauen.

00:13:44: und vor allen Dingen muss vorher klar sein wie Die Auswahl abläuft dass dieser Punkt transparent ist, das Wünsche geäußert werden können und dass es bei Veröffentlichung eben auch persönliche Grenzen geben darf.

00:13:59: Und ich denke darin liegt auch eine faire Balance!

00:14:03: Das Model bekommt eine echte Stimme und der Fotograf behält die Verantwortung für die Qualität seiner Arbeit.

00:14:10: Interessant ist... Ich bin mit der Auswahl im Laufe der Zeit immer etwas strenger geworden und inzwischen fällt es mir nicht mehr so schwer, auch mittelmäßige Bilder mal auszusortieren.

00:14:22: Und bekomme interessanterweise von Models und Kunden immer wieder die Rückmeldung dass sie mit einer nicht ganz so umfangreichen Auswahl eigentlich besser auch zurechtkommen weil Sie nicht durch hunderte ähnliche Bilder gehen müssen und die Auswahl überschaubar bleibt aber dennoch so groß ist das Sie einfach merken, sie selber können noch Entscheidungen treffen.

00:14:49: Und das bedeutet also eine gute Auswahl nimmt Arbeit ab aber sie engt die eigene Entscheidungsmöglichkeit nicht zu sehr ein auf Seiten des Models oder der Kundin oder des Kunden.

00:15:05: und ein weiterer Punkt den dem Zusammenhang gerne unterschätzt wird ist dann die finale Bildbearbeitung Denn die Bildauswahl endet ja nicht mit der Auswahlgalerie.

00:15:18: Nach der Auswahl stellt sich dann nämlich die nächste Frage, welche Bilder werden wirklich fertig bearbeitet und wie viele Bilder sind in dieser finalen Bearbeitung eigentlich angemessen?

00:15:32: Und auch darauf gibt es keine einfache Antwort!

00:15:36: Ich glaube nicht dass man pauschal sagen kann pro Shootingstunde gibt es so und fertige Bilder.

00:15:46: Natürlich kann man Richtwerte intern haben und für Angebote oder Pakete sind klare Zahlen oft auch sinnvoll, aber der tatsächliche Aufwand hängt ja nicht nur von der Shootingdauer ab sondern auch davon was fotografiert wurde.

00:16:02: ein reduziertes schwarz-weiß Ganzkörperporträt zum Beispiel ist etwas anderes als ein Closeup Porträt in Farbe denn bei einem close up Da fallen Hauttöne, kleine Hautdetails Augenpartie Haare Lichtreflexe und letztlich die ganze Retusche viel stärker ins Gewicht.

00:16:25: Ein Bild kann nun mal mehr Aufmerksamkeit brauchen als ein anderes.

00:16:30: Und manchmal ist ein scheinbar einfaches Porträt in der Bearbeitung dann doch anspruchsvoller als ein Bild das auf den ersten Blick aufwendiger aussieht.

00:16:40: Deshalb finde ich persönlich es schwierig Bildanzahl nur über Shootingdauer zu definieren.

00:16:45: Denn die Frage ist nicht nur, wie lange haben wir fotografiert?

00:16:50: Sondern auch, wie viel Sorgfalt braucht jedes einzelne finale Bild.

00:16:54: und natürlich nutze ich bei Serien auch Stapelverarbeitung Das es sinnvoll um eine gemeinsame Grundrichtung zu schaffen Eine ähnliche Farbwelt, eine ähnlichen Kontrastwirkungen einfach eine stimmige Basis für die Bilder aus einem Shooting oder aus einer Serie.

00:17:11: Aber jedes Finale Porträt finde ich muss nachher nochmal einzeln betrachtet werden und muss dann oft auch noch mal Feinschliff bekommen.

00:17:23: Und klar, es gibt immer mehr Möglichkeiten Bildbearbeitung zu automatisieren.

00:17:29: Auch KI-Gestützeprogramme können bestimmte Arbeitsschritte enorm beschleunigen.

00:17:34: Ich möchte das Ganze gar nicht schlecht reden.

00:17:36: Für manche Bildmengen oder manche Workflows kann das sicher auch sinnvoll sein.

00:17:41: Aber ich habe bislang die Erfahrung gemacht, für meinen eigenen Anspruch in der Porträtfotografie reicht es bislangen nicht aus einfach große Mengen automatisch durchlaufen zu lassen und sie dann auszuliefern.

00:17:56: Das entspricht gar nicht meine Art zu arbeiten und nicht weil andere das nicht anders machen dürfen oder sollen sondern weil ich bei Porträts jedes finale Bild wirklich noch einmal sehen möchte Und das Ergebnis oft von dieser Automatisierung nicht ganz zu meinen Vorstellungen entspricht.

00:18:19: Ich möchte am Ende die Entscheidung darüber treffen, ob das Bild stimmig ist und dafür muss es dann einfach nochmal am Ende einzeln betrachtet werden.

00:18:30: Was hier denke ich auch deutlich wird was man von außen vielleicht gar nicht immer sieht Die Post Production ist Arbeit Und zwar oft deutlich mehr, als man erst mal denkt.

00:18:43: Ich glaube bevor ich selbst intensiver fotografiert habe hätte ich diesen Aufwand wahrscheinlich auch unterschätzt.

00:18:50: Ein Shooting ist ja nunmal nicht vorbei wenn die Kamera wieder in der Tasche liegt.

00:18:55: Danach kommt die Sichtung Die Vorauswahl Die Auswahlgalerie Die Kommunikation Dann danach dann die Abstimmung Bei der finalen Auswahl Mit der Bearbeitungen Rettusche Export etc.

00:19:10: Gerade bei Porträts ist das schon ein sehr zeitintensiver Teil der Arbeit.

00:19:14: Deshalb geht es bei der Frage, wie viele Bilder bearbeitet werden nicht nur um Großzügigkeit sondern auch um Realismus?

00:19:24: Wie viel Nachbearbeitung ist nach einem Shooting überhaupt sinnvoll leistbar?

00:19:29: Wieviel Zeit kann und möchte ich in eine Serie investieren?

00:19:33: Und besonders deutlich wird das bei TFP Shootings!

00:19:37: Ich kann sehr gut verstehen, wenn ein Model möglichst viele Bilder aus einem Shooting mitnehmen möchte.

00:19:42: Gerade für einen Carousel-Post auf Insta mit bis zu zwanzig möglichen Bildern oder für unterschiedliche Veröffentlichungen ist der Wunsch nach viel Material sehr naheliegend.

00:19:52: Gleichzeitig bedeutet jedes final bearbeitete Bild aber zusätzliche Zeit, zusätzliches Sorgfalt und auch – wie ich finde – zusätzlichen Verantwortung.

00:20:03: Und seitlich selbstständig als Fotograf arbeite ist mein Zeitbudget für freie TFP-Shootings deutlich kleiner geworden.

00:20:11: Das heißt nicht, dass solche Projekte keinen Wert mehr haben im Gegenteil.

00:20:16: Freie Projekten können kreativ auch sehr wichtig sein aber ich muss genauer entscheiden in welche Projekте ich Zeit investiere und wie viele Bilder ich daraus am Ende wirklich sorgfältig fertigstellen kann.

00:20:32: auf der anderen Seite ist mir bewusst dass die Möglichkeiten durch KI-geschützte Bildbearbeitung auch die Frage nach der richtigen Menge an bearbeitenden Bildern beeinflusst.

00:20:43: Denn wenn bestimmte Arbeitsschritte heute schneller gehen als früher, können ja theoretisch mehr Bilder in derselben Zeit bearbeitet werden.

00:20:50: Das ist erstmal eine neue technische Möglichkeit und für manche Anwendungen und Workflows sicher ein Vorteil.

00:20:59: Aber trotzdem ändert sich für mich dadurch nicht der Grundsatz!

00:21:04: Nur weil mehr möglich ist, heißt das nicht automatisch dass mehr auch sinnvoll ist.

00:21:10: Gerade bei Porträts möchte ich ja nicht nur möglichst viele Bilder fertigstellen sondern vor allem die richtigen also Bilder die wirklich gut sind und tragen die sorgfältig ausgewählt wurden Und bei denen ich auch in der Bearbeitung das Gefühl habe Ja dahinter kann ich auch wirklich stehen.

00:21:33: Zumindest nach meinem heutigen Verständnis wird dieser Grundsatz für mich auch in Zukunft wichtig bleiben.

00:21:38: Vielleicht ist am Ende der wichtigste praktische Gedanke, über Bildauswahl sollte man möglichst vor dem Shooting sprechen – nicht erst danach!

00:21:48: Und gerade bei freien Projekten und TFP-Shootings ist das hilfreich wenn beide Seiten ungefähr wissen was sie erwarten können….

00:21:56: …und all das lässt sich vorher deutlich entspannter klären als hinterher.

00:22:01: Wenn ich alle diese Gedanken zusammenfasse Dann würde ich sagen, Bildauswahl ist viel mehr als ein technischer Schritt nach dem Shooting.

00:22:11: Sie ist Teil der fotografischen Arbeit, Teil der Qualitätssicherung und gerade bei Porträts auch Teil des Vertrauens.

00:22:18: Eine gute Auswahlgalerie sollte nicht einfach möglichst groß sein.

00:22:23: sie sollte hilfreich sein eine echte Wahl ermöglichen.

00:22:27: Und Nicht jedes sympathische Bild ist automatisch ein starkes Bild.

00:22:33: Aus Sicht eines Fotografen ist auch nicht automatisch jedes technische perfekte Bild automatisch das beste.

00:22:40: Und nicht jede große Menge führt zu einer besseren Entscheidung.

00:22:43: Für mich hat sich meine Haltung dazu über die Jahre deutlich verändert.

00:22:48: Früher fiel es mir schwer, mittelmäßige Bilder auszusortieren weil ich möglichst viel zeigen wollte.

00:22:54: Heute glaube ich hingegen dass eine gute Auswahl nicht weniger großzügig ist.

00:23:00: Oft ist sie sogar respektvoller weil sie Arbeit abnimmt und weil sie Qualität schützt.

00:23:06: Und, weil sie dafür sorgt dass die Bilder, die wirklich bleiben auch die Aufmerksamkeit bekommen die sie verdienen.

00:23:14: Mich würde interessieren wie du das siehst Wenn du fotografierst.

00:23:19: Wie streng wählst du aus?

00:23:22: Und wenn du selbst schon einmal vor der Kamera standest was ist dir lieber eine sehr große Auswahl mit möglichst vielen Möglichkeiten oder eher eine kleinere Galerie, bei der schon eine Vorauswahl getroffen wurde.

00:23:35: Schreibt mir deine Gedanken dazu gerne!

00:23:38: In vierzehn Tagen geht es wie gewohnt weiter mit einer neuen Folge von Nahaufnahme und bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit.

00:23:49: Bis bald Dominik.

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