Wenn man eine Weile nicht fotografiert
Shownotes
Kurse & Workshops:
In der Sommerpause habe ich unter anderem mein Kursangebot für Hobbyfotograf:innen weiterentwickelt. Im September biete ich einen Einsteigerkurs in Präsenz sowie einen Model-Workshop an. Außerdem sind weiterhin Einzelcoachings und Bild-Reviews möglich.
Alle Informationen dazu findet ihr auf meiner Webseite: https://www.dominik-boeckling.de/kurse
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00:00:00: Hallo, schön dass du da bist und herzlich willkommen zurück bei Nahaufnahme zur ersten Folge nach der kleinen Sommerpause.
00:00:10: In den letzten Wochen war es bei mir fotografisch etwas ruhiger und das lag einerseits natürlich an der Sommer- beziehungsweise Ferienzeit aber auch daran dass es an manchen Tagen schlicht zu heiß war um draußen wirklich angenehm zu schuten und so wurden dann eben auch einige Shooting-Termine verschoben.
00:00:32: Ganz untätig war ich in dieser Zeit aber nicht, Ich habe unter anderem mein Kursangebot für Hobbyfotografin und Fotografen weiterentwickelt mit einem Einsteigerkurs in Präsenz eine Modelworkshop sowie Einzelcoachings und Build Reviews.
00:00:49: Wer sich dafür interessiert findet die Informationen dazu auf meiner Webseite.
00:00:54: Und damit sind wir eigentlich schon ziemlich nah dran am Thema dieser Folge, denn ich möchte heute über Pausen sprechen.
00:01:04: Genauer gesagt über kreative Pausens oder noch genauer über die Frage was mit unserem fotografischen Blick eigentlich passiert wenn wir eine Weile nicht fotografieren, nicht veröffentlichen und auch nicht ständig an neuen Bildern arbeiten.
00:01:24: das pausengutun können ist wahrscheinlich keine besonders neue Erkenntnis, denn gerade in kreativen Bereichen hört man ja immer wieder du brauchst ab und zu Abstand.
00:01:34: Du brauchst Ruhe.
00:01:36: Du braucht Zeit um wieder neue Ideen zu bekommen.
00:01:40: Und ich glaube auch dass daran viel Wahres dran ist.
00:01:43: aber mich interessiert heute weniger dieser allgemeine Gedanke sondern viel mehr was passiert ganz konkret wenn wir als Fotografen eine Weile aus dem Produktionsmodus herausgehen.
00:01:58: Was verändert sich an unserem Blick, was verändert sich in unserer Wahrnehmung und wie fühlt es sich an danach wieder zur Kamera zurückzukehren?
00:02:10: Allgemein gesprochen denke ich dass der wichtigste Effekt von Pausen ist das sie dich einfach mal aus den Produktions Modus herausbringen und damit meine jetzt nicht nur das Fotografieren selbst bei Porträt-Fotografen, sondern alles was drumherum dazugehört.
00:02:31: Das nächste Shootingplan die nächsten Bilder bearbeiten Die nächste Serie veröffentlichen vielleicht auch den nächsten Instagram Beitrag vorbereiten oder wie vorhin gerade die nächste Podcast folgeschreiben oder die nächste Idee festhalten.
00:02:46: im Allgemeinen und gerade wenn man dann auch selbstständig arbeitet kann daraus sehr schnell eine dauerhafte Output-Logik werden.
00:02:56: Ich merke das bei mir selbst auch, dann schaue ich auf einmal nicht mehr nur was interessiert mich, was berührt mich und was sehe ich sondern ich frage mich automatisch auch mit Was kann ich daraus machen?
00:03:11: Passt es in mein Portfolio rein?
00:03:13: Könnte das auf Insta funktionieren oder wäre das auch interessant für meine Webseite?
00:03:20: lässt sich daraus vielleicht sogar ein Podcast-Thema entwickeln?
00:03:23: und natürlich ist das alles nicht grundsätzlich falsch.
00:03:27: Wenn man beruflich kreativ arbeitet, gehört dieser Gedanke einfach ein Stück weit mit dazu Denn Sichtbarkeit ist wichtig Ein Portfolio damit eben auch Und Marketing gehört nun mal zur Selbstständigkeit mit dazu.
00:03:44: Aber ich denke wenn dieser Modus zu dominant wird verändert er irgendwann den Blick.
00:03:51: Dann wird aus Wahrnehmung sehr schnell Verwertungen.
00:03:55: Aus einer Stimmung wird Content, aus einer Idee ein Punkt auf der To-do Liste und aus einem Bild wird sofort die Frage Kann ich das irgendwo zeigen?
00:04:07: Und eine Pause kann diese Schleife dann auch mal unterbrechen nicht für immer aber immerhin für eine Weile.
00:04:18: Vielleicht ist genau das auch ihr Wert.
00:04:21: Sie bringt uns wieder ein Stück vom Produzieren ins Wahrnehmen zurück.
00:04:26: Wenn ich eine Weile nicht fotografiere, heißt es ja nicht dass Fotografisch überhaupt nichts passiert!
00:04:33: Ich habe vielleicht keine Kamera in der Hand okay?
00:04:36: Ich bearbeite vielleicht keine Bilder... ...ich plane vielleicht auch kein konkretes Shooting aber der Blick ist trotzdem nicht ausgeschaltet Denn ich nehme weiterhin Licht wahr im Alltag.
00:04:50: Farben, Gesichter, Orte, Stimmung auch und vielleicht sogar das alles freier als sonst weil nicht sofort die Frage mitschwingt wie könnte ich das fotografisch nutzen?
00:05:06: Manchmal entstehen Ideen gerade dann wenn ich nicht aktiv nach ihnen suche zum Beispiel beim Spazieren gehen, beim Autofahren, beim Lesen in einem Gespräch oder in einem Moment, in dem eigentlich gar nichts Besonderes passiert.
00:05:21: Kreative Arbeit besteht ja letztlich nicht nur aus den sichtbaren Phasen also nicht nur auf dem Fotografieren der Bildbearbeitung, dem Veröffentlichen.
00:05:33: ein Teil davon passiert einfach im Hintergrund.
00:05:37: Eindrücke können sich sortieren Gedanken reifen Verbindung entstehen und manchmal merkt man erst später dass eine Pause nicht leer war, sondern das sich in dieser Zeit etwas gesammelt hat.
00:05:52: Nicht unbedingt als fertige Idee, eher als Richtung, als Stimmung oder als Leiserimpuls.
00:05:58: und ein weiterer Punkt über den ich beim Schreiben dieser Folge nachgedacht habe ist der Abstand zu den eigenen Bildern.
00:06:08: denn natürlich verändert zeitliche Abstand den Blick auf ein Foto.
00:06:13: Das gilt immer.
00:06:14: Dafür braucht es keinen Urlaub und auch keine Sommerpause.
00:06:18: Wenn ich einen Shooting heute habe, mir drei Wochen später die Bilder noch einmal anschauen sehe ich sie fast zwangsläufig anders.
00:06:29: Ich bin da nicht mehr so nah an der Situation dran Nicht mehr so na am Aufwand Und auch nicht so nahe an dem was während des Shootings schön war schwierig oder vielleicht sogar überraschend.
00:06:42: Deshalb wäre es mir zu einfach, zu sagen eine Pause ist wichtig weil man danach die eigenen Bilder anders sieht.
00:06:50: Weil das passiert ja auch ohne Pause.
00:06:53: aber eine kreative Pause kann noch etwas anderes bewirken.
00:06:58: sie schafft nicht nur zeitlichen Abstand sondern manchmal auch Abstand zum Verwertungsdruck.
00:07:06: und wenn ich für eine Weile nicht in diesem Modus drin bin sofort etwas zu posten zu liefern, zu zeigen oder irgendwas einordnen zu müssen kann ich ein Bild anders betrachten.
00:07:20: Nicht nur mit der Frage funktioniert das sondern eher mit der frage bleibt es?
00:07:27: Behührt es mich noch?
00:07:29: hat es etwas dass über den Moment des Shootings hinaus trägt?
00:07:34: und Das ist für mich der spezifischere Punkt nicht die Pause allein verändert den Blick Sondern die Unterbrechung des Trucks jedes Bild sofort in einen Speck zu übersetzen.
00:07:48: Ich finde außerdem den Gedanken interessant, dass Pausen manchmal zeigen was wir wirklich vermissen.
00:07:56: nach einer Weile ohne Fotografie kann ich mich fragen Was zieht mich eigentlich wieder zur Kamera zurück?
00:08:03: Ist es das fotografieren an sich?
00:08:06: ist es das arbeiten mit Menschen?
00:08:09: ist es Das Licht beziehungsweise das gestalten mit Licht?
00:08:14: Ist es die Ruhe während eines Porträt-Shootings oder das Bearbeiten eines Bildes mit dem vorher nachher Effekt?
00:08:22: Oder ist es vielleicht gerade nicht das Veröffentlichen, sondern der stille Moment in dem ein Bild entsteht?
00:08:30: und diese Unterscheidung finde ich zentral.
00:08:34: Denn manchmal sagt man schnell Ich vermisse die Fotografie aber vielleicht vermisst man gar nicht alles daran.
00:08:44: Vielleicht vermisst man eine bestimmte Art zu fotografieren.
00:08:48: Eine bestimmte Atmosphäre, eine bestimmten Form von Begegnung.
00:08:52: Vielleicht einfach ein ruhiges reduziertes Porträt aufzunehmen in Form von einem schwarz-weiß Bild.
00:09:01: Vielleicht auch einen Shooting an einem speziellen Ort den man sehr mag und an dem man nicht abgelenkt ist.
00:09:10: Und vielleicht ist es auch einfach dieses Gefühl für einen Moment ganz im Seen zu sein.
00:09:16: Pausen können also auch klären, sie zeigen welche Teile der eigenen Arbeit wirklich Energie geben und welche man vielleicht eher macht weil sie schlicht und einfach dazugehören oder weil man glaubt Sie machen zu müssen!
00:09:35: Und das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt denn der eigene Stil entsteht ja Nicht nur dadurch, dass man immer weiter arbeitet.
00:09:48: Sondern er entsteht auch dadurch, das man merkt wohin es ein nach einer Unterbrechung wieder zurückzieht.
00:09:57: Gleichzeitig möchte ich Pausen nicht idealisieren weil eine Pause nicht automatisch kreativ ist und auch nicht automatische Erholsam.
00:10:11: Und was auch noch hinzukommt Sie führt nicht automatisch dazu, dass man danach voller Ideen und Energie wieder zurückkommt.
00:10:21: Manchmal passiert nämlich auch was anderes Der Flow ist unterbrochen der Rhythmus fehlt die Kamera lag eine Weile ungenutzt da Und wenn dann das erste Shooting nach einer längeren Pause ansteht kann es sich erst mal schwerer anfühlen als erwartet.
00:10:39: Nicht dramatisch nicht so als hätte man alles verlernt aber vielleicht ungewohnt.
00:10:45: Etwas zäher, etwas weniger selbstverständlich und vielleicht braucht man am Anfang ein paar Minuten länger um wieder reinzukommen weil der eigene Blick noch nicht ganz wieder wach ist und vielleicht macht man sich selber auch ein bisschen Druck weil man denkt jetzt müsste es doch wieder richtig gut laufen und ich glaube das ist auch vollkommen normal.
00:11:12: Vielleicht ist das ein Punkt den ich mir selbst auch immer wieder sagen muss, der Wiedereinstieg nach einer Pause muss ja nicht sofort perfekt sein.
00:11:23: Das erste Shooting nach eine Unterbrechung muss nicht automatisch das beste Shooting des Jahres werden oder die erste Podcast-Folge nach der Sommerpause muss nicht alle Erwartungen auf einmal erfüllen.
00:11:38: Der erste kreative Schritt darf sich also ruhig etwas holprig anfühlen wie ich finde.
00:11:45: Vielleicht ist es sogar auch ganz gut, den Wiedereinstieg nicht so sehr aufzuladen oder zu überfrachten – nicht sofort mit dem größten Projekt, nicht sofort bei dem allerhöchsten Anspruch und auch nicht direkt mit der Erwartung dass alles nahtlos weiterläuft!
00:12:02: Ich denke manchmal reicht das einfach wieder anzufangen die Kamera wieder in die Hand zu nehmen ein Bild zu machen eine Idee aufzuschreiben eine Location neu anzuschauen oder ein altes Bild mit etwas Abstand zu betrachten.
00:12:17: Oder einfach sich mal die Frage zu stellen, was möchte ich nach dieser Pause eigentlich wieder sehen?
00:12:25: Und ich glaube kreative Arbeit braucht nicht nur Disziplin sondern eben nach einer Pause auch ein Stück weit milde denn wenn ich nach einer pause sofort wieder mit Druck beginne bin ich wieder sehr schnell genau in dem Modus, den die Pause vielleicht gerade mal unterbrochen hatte.
00:12:48: Dann war die Pause nur eine Unterbrechung aber keine wirkliche Veränderungen.
00:12:54: Wenn ich all diese Gedanken zusammenfasse dann würde ich sagen Pausen tun der Kreativität nicht einfach deshalb gut weil man sich erholt.
00:13:03: das kann natürlich auch ein Teil davon sein Aber in der Fotografie geht es um mehr.
00:13:08: Eine Pause kann helfen aus dem Produktionsmodus herauszukommen.
00:13:12: Sie kann den Blick wieder freier machen, sie kann Eindrücke sammeln lassen ohne sie sofort verwerten zu müssen und sie kann zeigen welche Art von Fotografie uns wirklich anzieht.
00:13:27: Außerdem denke ich kann sie uns daran erinnern dass sehen nicht erst in dem Moment beginnt indem wir auf den Auslöser drücken.
00:13:38: Gleichzeitig darf der Wiedereinstieg nach einer Pause auch schwer sein.
00:13:43: Ungewohnt ein bisschen zäh, vielleicht sogar wie eine kleine Last und das bedeutet überhaupt nicht dass etwas falsch läuft.
00:13:52: Vielleicht ist es einfach der Moment in dem der eigene Rhythmus wieder entsteht?
00:13:56: Und manchmal kommt daraus nach und nach sogar eine neue Leichtigkeit.
00:14:01: Vielleicht nicht sofort aber mit jedem kleinen Schritt zurück in die eigene kreative Arbeit.
00:14:08: Mich würde deshalb interessieren, wie geht es dir damit?
00:14:12: Also wenn du nach einer Pause wieder in eine kreative Arbeit zurückkehrst und das muss auch nicht auf selbstständiger Basis sein.
00:14:20: Egal ob es sich jetzt um Fotografie handelt schreiben musizieren oder etwas anderes fühlt sich dieser Wiedereinstieg für dich erstmal eher schwer an fast wie eine Art Last oder entsteht dadurch vielleicht sogar eine neue Leichtigkeit bei dir?
00:14:37: schreib mir deine Gedanken dazu gerne.
00:14:40: Und ja, ich freue mich auf jeden Fall das Nahaufnahme nach der Sommerpause jetzt wieder weitergeht und das bedeutet auch dass es in vierzehn Tagen bereits wieder eine neue Folge gibt!
00:14:59: Und freue mich sehr wenn du auch bei den kommenden Folgen wieder mit dabei bist.
00:15:05: Bis dahin Wünsche ich dir eine gute Zeit und bis bald, Dominik.
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