Wie konsistent muss ein Portfolio wirklich sein?
Shownotes
Mein Instagram-Portfolio: https://www.instagram.com/dominikboeckling
Und mein Webseiten-Portfolio: https://www.dominik-boeckling.de/portfolio
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00:00:00: Hallo, schön dass du da bist und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nahaufnahme.
00:00:07: Heute möchte ich über eine Frage sprechen die mich schon seit längerer Zeit beschäftigt und zwar lautet sie wie konsistent sollte das Portfolio eines Fotografen eigentlich sein?
00:00:22: oder etwas zugespitzer formuliert muss man sich als Fotograf auf einen Stil festlegen?
00:00:29: Wenn man sich in Fotografieforen, auf Instagram oder in Marketingradgebern umschaut dann begegnet man diesem Gedanken immer wieder.
00:00:38: Die Empfehlung lautet dann oft zeig nur eine Sache werde für eine Sache bekannt oder sei möglichst konsistent und ich kann die Argumente dahinter durchaus nachvollziehen.
00:00:52: gleichzeitig merke ich aber dass ich selbst mit diesem Gedanken Denn je länger ich fotografiere, desto schwerer fällt es mir persönlich mich auf eine einzige Richtung in der Porträt-Fotografie festzulegen.
00:01:07: Nicht weil ich nicht wüsste was mir gefällt sondern eher weil mir eben viele Dinge gefallen und genau darüber möchte ich heute sprechen.
00:01:18: vorab jedoch möchte ich noch eine kurze Unterscheidung vornehmen.
00:01:23: wenn ich hier von Portfolio spreche meine ich vor allem das was auf Instagram passiert Also diesen schnellen ersten Eindruck, wenn jemand auf ein Profil klickt die letzten neun oder zwölf Bilder sieht und innerhalb weniger Sekunden ein Gefühl dafür bekommt wofür dieser Fotograf oder diese Fotograf entsteht.
00:01:42: Auf einer Webseite ist das nochmal etwas anderes.
00:01:45: dort kann man Vielfalt viel besser strukturieren über einzelne Galerien klare Menüpunkte oder unterschiedliche Angebotsseiten.
00:01:55: Auf Instagram wirkt der Konsistenzgedanke aus meiner Sicht deutlich stärker, weil dort alles viel unmittelbarer nebeneinander steht.
00:02:04: Und genau da habe ich den Eindruck dass von Fotografen oft mehr Konsistenze erwartet wird als von Models.
00:02:14: Wenn ein Model auf Instagram Bilder aus ganz unterschiedlichen Bereichen zeigt Porträts Fashion Business Lifestyle oder vielleicht sogar Urlaubschnapschüsse, dann wird das meistens als völlig normal wahrgenommen.
00:02:31: Bei Fotografen scheint es oft anders zu sein denn wenn ein Fotograf heute einen Businessportrait postet, morgen ein Schwarz-Weiß Bild übermorgen eine Landschaftsaufnahme und nächste Woche ein paar Shooting, dann kommt relativ schnell die Frage wofür steht dieser Fotograf eigentlich?
00:02:53: Und ich finde diese unterschiedliche Bewertungen interessant, denn letztlich entwickeln sich sowohl Models als auch Fotografen weiter.
00:03:02: Beide haben unterschiedliche Interessen und beide sind mehr als nur eine einzige Facette.
00:03:10: Diese Beobachtung von mir soll jetzt nicht heißen dass ich ein Problem mit dem Anspruch an Konsistenz bei Fotografinnen und Fotographen habe wenn überhaupt eher ein Problem mit Einseitigkeit.
00:03:25: Denn ich fotografiere sehr gerne natürliche Porträtes, Ich mag schwarz-weiß Bilder, ich mag emotionale Porträts , ich mag Businessporträt selbstverständlich auch in Farbe .
00:03:38: Ich mag reduzierte Bildsprache und manchmal mag ich einfach ein Bild weil das nicht so schön war.
00:03:46: Wenn ich mir vorstelle zum Beispiel einen halbes Jahr lang ausschließlich war zweis Porträt von Männern zu fotografieren und zu posten, dann würde mir das wahrscheinlich irgendwann zu eintönig werden.
00:04:01: Obwohl ich war zwei Porträts von Männernen sehr gerne fotografiere.
00:04:04: Und genau den Punkt finde ich spannend!
00:04:09: Denn vielleicht bedeutet fehlende Konsistenz nicht immer fehlender Klarheit?
00:04:14: Vielleicht bedeutet sie manchmal einfach auch nur Neugier kann auch dazu führen, dass ein Shooting bei mir nicht immer so abläufig ursprünglich geplant.
00:04:27: Ich mache das mal an einem konkreten Beispiel fest.
00:04:30: vor wenigen Wochen hatte ich einen Shooting mit einem langjährigen Freund von mir.
00:04:35: eigentlich ging es dabei um Business Portraits für seine Webseite als Sportwissenschaftler also ganz klassisch professionelle Bilder sehr höße Außen Wirkung Verwendungszweck-Webseite und genau das haben wir natürlich auch fotografiert.
00:04:51: Aber irgendwann, etwa nach einer dreiviertel Stunde sind wir eher zufällig in eine ganz andere Richtung abgebogen.
00:05:00: Plötzlich haben wir angefangen einige reduzierte Schwarzweißporträste zu machen.
00:05:05: Das war ursprünglich überhaupt nicht geplant aber es hat uns beiden großen Spaß gemacht und am Ende war er mit diesen Bildern genauso zufrieden wie mit den eigentlichen Business Porträts.
00:05:18: Und genau solche Momente mag ich persönlich sehr dass ein Shooting Raum lässt für Dinge, die vorher gar nicht auf dem Zettel standen.
00:05:26: Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich mich fotografisch nicht allzu eng festlegen möchte weil ich das Gefühl habe, dass dadurch manchmal genau die spannendsten Bilder entstehen und nach so einem Shooting wie gerade beschrieben stellt sich dann eben die Frage warum nicht beide Facetten aus dem Shooting auf dem gleichen Social Media Kanal präsentieren?
00:05:48: Also sowohl die Business als auch die schwarz-weiß Porträts.
00:05:52: Vielleicht hat man es als Fotograf tatsächlich einfacher, wenn ein wirklich nur eine Facette der Porträtfotografie interessiert und man auch nur diese präsentieren möchte?
00:06:05: Mir fällt das wie gesagt schwer!
00:06:08: Und ich habe mir die Frage gestellt warum fällt mir das eigentlich schwer?
00:06:13: Dabei bin ich wieder auf den Begriff der sogenannten Scannerpersönlichkeit gestoßen.
00:06:20: Gemeins sind Menschen, die sich für viele verschiedene Dinge begeistern können.
00:06:25: Menschen, wie gerne Neues lernen, die oft mehrere Interessen gleichzeitig verfolgen und die sich nur schwer auf eine einzige Sache beschränken möchten und sich schnell langweilen wenn etwas zur Routine wird.
00:06:36: Als ich zum ersten Mal davon gelesen hatte war das ein klassischer Aha-Effekt denn ich habe mich darin durchaus wieder erkannt und vielleicht zeigt sich genau dieser Persönlichkeitsaspekt auch in meiner Fotografie.
00:06:52: Und je länger ich über dieses Thema Spezialisierung in der Fotografien nachdenke, desto mehr glaube ich dass das keine ja-nein Frage ist.
00:07:04: Oft wird so diskutiert als gäbe es nur zwei Möglichkeiten entweder man spezialisiert sich extrem oder man macht alles aber dazwischen gibt es viele Abstufungen.
00:07:16: wenn ich auf meine Arbeit schaue dann bin ich eigentlich längst spezialisiert.
00:07:22: Ich fotografiere Menschen, fast ausschließlich Menschen.
00:07:27: mich interessieren Begegnungen Persönlichkeiten Beziehung und Ausdruck.
00:07:32: Ich fotografier zum Beispiel keine Architektur Keine Produktfotografie Und vermutlich werde ich das auch nie tun.
00:07:42: Aber innerhalb dieses Rahmens interessiert mich viele unterschiedliche Facetten Im Hinblick auf Porträtfotographie Männer und Frauen, Paare und Familien.
00:07:55: Business-Porträts und persönliche Porträts.
00:07:58: Und ich denke genau das ist meine Form von Spezialisierung.
00:08:04: Wenn wir dann nochmal zum Thema Konsistenz kommen natürlich gibt es gute Argumente konsistent zu sein.
00:08:14: wenn jemand auf dein Profil kommt und sofort erkennt was ihn erwartet dann schafft das Orientierung.
00:08:19: Menschen wissen schneller wofür du stehst und vermutlich macht es Marketing tatsächlich einfacher.
00:08:26: Interessanterweise habe ich bei meiner Recherche aber zumindest keine belastbare Studie gefunden, die zeigt dass Fotografen mit besonders konsistenten Portfolios automatisch erfolgreicher sind als Fotografen mit vielfältigeren Portfollos.
00:08:43: was man dagegen häufig findet sind Empfehlungen aus dem Marketing.
00:08:47: Konsistenz hilft sicherlich dabei Vertrauen aufzubauen.
00:08:52: Es hilft auch dabei, die eigene Positionierung klarer zu kommunizieren.
00:08:56: aber das ist eben nicht ganz dasselbe und vielleicht wird dieser Punkt manchmal sogar ein wenig überbewertet denn ein sehr gleichförmiges Portfolio spricht vermutlich vor allem Menschen an, die genau diese eine Richtung suchen.
00:09:13: Das ist überhaupt nichts Schlechtes.
00:09:15: wenn jemand ausschließlich Business Portraits fotografiert dann ist ein sehr konsistentes Portfolio wahrscheinlich sogar sinnvoll.
00:09:24: Aber wenn ich als Porträtfotograf unterschiedliche Facetten zeigen möchte, emotionale Schwarzweißporträts natürliche Outdoor-Porträts, Business-Porter, Familienbilder oder persönlichen Projekte Dann kann diese Vielfalt ja ebenfalls eine Botschaft sein.
00:09:42: Nämlich Ich fotografiere Menschen nicht nur in einer einzigen Rolle sondern in unterschiedlichen Situationen Stimmungen und Lebensbereichen.
00:09:51: Und vielleicht zieht ein solches Portfolio dann eben auch Menschen an, die genau diese Offenheit und Vielseitigkeit suchen?
00:10:00: Hier zeigt sich wieder die Unterscheidung von vorhin – auf Instagram kann vielfalt schneller unklar wirken weil alles unmittelbar nebeneinander steht!
00:10:08: Auf einer Web-Seite lässt es sich dagegen viel besser über Galerien-, Angebotszeiten oder klare Menüpunkte strukturieren.
00:10:14: Vielleicht ist also gar nicht die Frage ob Vielfalt grundsätzlich problematisch ist, sondern wo und wie sie gezeigt wird.
00:10:22: Gerade auf Insta stellt sich nämlich die Frage, braucht man heute eigentlich für jeden fotografischen Stil einen eigenen Kanal?
00:10:29: Auch das wird häufiger empfohlen!
00:10:31: Ein Account für Business, ein Account für Hochzeiten, eine Account für Kunstprojekte, ein account für private Arbeiten.
00:10:40: natürlich kann das sinnvoll sein aber manchmal frage ich mich nicht auch künstliche Grenzen schaffen.
00:10:50: Und ein weiteres Thema, das eng damit zusammenhängt sollte man ältere Arbeiten eigentlich löschen?
00:10:57: die einen sagen wenn die Bilder nicht mehr dem heutigen Niveau oder Stil entsprechen sollten sie verschwinden.
00:11:03: Die anderen sagen gerade die Entwicklung macht ein Portfolio interessant und ich muss gestehen Ich finde es schön fotografische Entwicklungen sichtbar zu machen.
00:11:15: Klar, man muss nicht jedes Bild für alle Ewigkeit online lassen.
00:11:19: Aber ich finde den Gedanken sympathisch dass ein Portfolio auch ein Stück Weg dokumentieren darf und eben nicht nur das Ergebnis.
00:11:28: Und noch eine vielleicht sogar die spannende Frage in diesem ganzen Kontext Muss man einen Fotografen beziehungsweise einer Fotografin sofort erkennen?
00:11:41: Häufig wird gesagt Ein guter Fotograf hat einen unverwechselbaren Stil.
00:11:47: Wenn man ein Bild sieht, soll man sofort wissen das ist Fotograf X oder Fotograf Y?
00:11:52: Aber ich bin mir gar nicht sicher ob das wirklich mein persönliches Ziel wäre.
00:11:58: Natürlich finde es schön wenn Menschen eine gewisse Handschrift erkennen lassen aber vielleicht ist eine fotografische Handschrift mehr als nur ein bestimmter Look Mehr als nur Farben, Presets, Bildbearbeitung.
00:12:12: Vielleicht zeigt es sich viel mehr in der Art, wie wir Menschen begegnen.
00:12:17: Welche Motive wir wählen, welche Themen uns beschäftigen und welche Geschichten wir erzählen möchten.
00:12:26: Und je länger ich über dieses gesamte Thema nachdenke desto weniger glaube ich an ein einfaches entweder oder.
00:12:35: Ich glaube nicht dass maximale Konsistenz automatisch besser ist.
00:12:40: Ich glaube aber auch nicht das Völlige Beliebigkeit der Lösung ist.
00:12:44: Wahrscheinlich liegt die Antwort irgendwo dazwischen, wahrscheinlich geht es auch gar nicht darum immer dieselben Bilder zu zeigen sondern darum dass trotz aller Vielfalt etwas verbindendes spürbar bleibt eine Haltung oder ein Blick auf Menschen einer Art die Welt zu sehen.
00:13:05: und vielleicht ist genau das am Ende die eigentliche Handschrift eines Fotografen.
00:13:11: Mich würde deshalb sehr interessieren, wie siehst du das?
00:13:16: Sollte ein Portfolio möglichst konsistent sein oder darf es ruhig unterschiedliche Facetten zeigen und unterschiedliche fotografische Disziplinen abdecken.
00:13:27: Schreib mir das gerne!
00:13:29: In vierzehn Tagen geht es dann wieder weiter mit einer neuen Folge von Nachaufnahme.
00:13:35: Bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit bis bald Dominic.
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