Was deine Bilder über dich verraten

Shownotes

Wenn du dich intensiver mit deiner eigenen Bildsprache auseinandersetzen möchtest – oder das Gefühl hast, dass deine Bilder dich nicht wirklich widerspiegeln – kann es spannend sein, diesen Prozess einmal bewusst zu gestalten.

Gerade in der Portraitfotografie entsteht vieles nicht erst beim Fotografieren, sondern bereits im Gespräch davor.

Weitere Informationen zu meinen Portraitshootings findest du auf meiner Webseite: https://www.dominik-boeckling.de/angebote

Und wenn dich solche Gedanken auch über den Podcast hinaus begleiten sollen, teile ich in meinem Newsletter regelmäßig Einblicke rund um Portraitfotografie, Bildsprache und persönliche Projekte: https://www.dominik-boeckling.de/newsletter

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo, schön dass du da bist und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nahaufnahme.

00:00:08: In der letzten Folge ging es um Porträts für Dating-Plattformen – und um die Frage welche Menschen deine Bilder eigentlich anziehen?

00:00:18: Und heute möchte ich den Blick einmal umdrehen!

00:00:22: Denn wenn Bilder entscheiden, welche Menschen sich von dir angesprochen fühlen dann stellt sich automatisch auch eine andere Frage Was sagen diese Bilder eigentlich über dich selbst aus?

00:00:36: Wenn wir ein Porträt anschauen, dann richten wir unsere Aufmerksamkeit ganz automatisch auf die Person vor der Kamera.

00:00:45: Wir sehen den Ausdruck, die Körpersprache vielleicht auch die Stimmung und wir haben das Gefühl dass das Bild uns etwas über diesen Menschen erzählt Und das tut es auch.

00:01:00: Aber gleichzeitig, und das ist mir in den letzten Jahren immer klarer geworden, erzählen Bilder oft mindestens genauso viel über die Person hinter der Kamera.

00:01:13: Denn als Fotograf oder Fotografin triffst du ständig Entscheidungen – oft ganz bewusst!

00:01:31: welche Menschen faszinieren mich, welche Situation möchte ich festhalten.

00:01:38: Und ich glaube dass viele dieser Entscheidungen nicht zufällig sind sondern dass sie bewusst oder unbewusst etwas mit uns selbst zu tun haben.

00:01:49: und ein ganz spannender Hinweis darauf ist für mich etwas das man relativ häufig beobachten kann Wenn ein Model mit verschiedenen Fotokarfen und Fotokafen arbeitet, sehen die Bilder oft komplett unterschiedlich aus.

00:02:06: Also nicht nur in kleinen Details oder im Hinblick auf den Stil der Bildbearbeitung sondern teilweise wirklich grundlegend – und das obwohl es dieselbe Person ist!

00:02:19: Ich glaube dass genau das ein sehr gutes Beispiel dafür ist, nie nur die Person vor der Kamera zeigt, sondern immer auch den Blick des Fotografen.

00:02:32: Wenn ich mir heute meine eigenen Bilder anschaue also die, die ich in letzten Jahren von anderen Menschen gemacht habe dann merke ich dass sich bestimmte Dinge immer wiederholen eine bestimmte Ruhe Eine gewisse Naturlichkeit und oft auch Momente die nicht gestellt wirken Und das ist kein Zufall.

00:02:54: Das sind genau die Dinge, die mich auch als Mensch interessieren.

00:02:59: Wie jemand wirkt wenn er oder sie kurz nicht darüber nachdenkt wie er oder Sie wirkt.

00:03:06: und wahrscheinlich ist genau das der Punkt.

00:03:09: Wir fotografieren Nicht nur andere Menschen!

00:03:13: Wir fotografiern immer auch ein Stück von uns selbst Und vielleicht hat das Ganze auch eine persönliche Seite über die man gar nicht so oft nachdenken Denn wenn wir unsere Bilder zeigen, zeigen wir nicht nur die Ergebnisse eines Shootings sondern auch unseren Blick.

00:03:35: Und damit vielleicht ein Stück von dem wie wir auf Menschen schauen.

00:03:41: Wahrscheinlich ist das sogar ein Stück weit etwas Intimes Nicht im klassischen Sinne Sondern eher deshalb weil man über seine Bilder etwas von der eigenen Wahrnehmung preisgibt Und dabei geht es nicht nur darum, wie wir auf Menschen schauen sondern auch darum was uns an ihnen anspricht.

00:04:04: Also welche Ausstrahlung, welche Ruhe oder welche Dynamik uns berührt und ich denke das Bilder deshalb manchmal auch etwas mit Sehnsucht zu tun haben können.

00:04:17: Nicht im großen abstrakten Sinne sondern eher als Hinweis darauf was wir schön finden oder was uns wichtig ist.

00:04:27: Ich merke das zum Beispiel bei mir selbst ganz konkret, ich fotografiere meine Models am liebsten eher reduziert ohne Schmuck, ohne viele Assessoires und meistens auch ohne üppiges Make-up!

00:04:40: Und... ...ich glaube dass es auch damit zu tun hat, dass in mir selbst eine gewisse Sehnsucht nach Natürlichkeit vorhanden ist gerade in einer Zeit die oft sehr stark eher von Künstlichkeit geprägt ist.

00:04:58: Und vielleicht ist genau das ein Beispiel dafür, dass sich solche Dinge eben auch in der eigenen Bildsprache zeigen und dieses Thema begleitet mich tatsächlich schon länger.

00:05:09: ich habe dazu vor einigen Jahren auch einen Textbildband umgesetzt indem es genau um diese Formen von Natürlichkeit geht Seit ich mir diese Frage bewusster stelle, also was meine Bilder eigentlich über mich verraten auch anders fotografiere.

00:05:29: Also bewusste und das nicht im Sinne von verkopfter sondern eher im Sinne vom klarer.

00:05:38: Was möchte ich zeigen?

00:05:40: Und was interessiert mich wirklich?

00:05:44: Das ist natürlich etwas dass sich erst über die zeit entwickelt gerade wenn man regelmäßig fotografiert.

00:05:52: Am Anfang ist das oft noch ganz anders, da ist man vielleicht einfach froh überhaupt die Möglichkeit zu haben mit jemandem zu schuten gerade dann wenn du noch gar kein eigenes Portfolio aufgebaut hast.

00:06:04: und trotzdem glaube ich dass selbst die frühen Bilder von mir schon etwas über mich selbst verraten haben.

00:06:15: Vielleicht auch nicht so klar aber dennoch spürbar.

00:06:18: Ein weiterer Aspekt, den ich spannend finde ist die Frage nach Nähe und Distanz.

00:06:25: Manche Fotografin und Fotografen arbeiten sehr nahe – sie machen sehr direkte Porträts mit intensiven Plicken und eher weniger Raum.

00:06:38: Anderengegen lassen mehr Abstand, mehr Umgebung, mehr Kontext vielleicht auch etwas mehr Zurückhaltung… Und beides ist völlig legitim!

00:06:48: Aber auch hier zeigt sich oft, wie jemand fotografiert hat viel Dame zu tun.

00:06:56: Wie jemand auf Menschen schaut.

00:06:58: Das gleiche gilt für die Frage, wie stark inszeniere ich ein Bild?

00:07:03: Manche lieben klare Durchdachtebildideen andere arbeiten lieber offen und spontan.

00:07:10: Und auch hier geht es nicht darum was richtig oder falsch ist sondern eher darum Was entspricht mir und wie möchte ich Menschen sehen?

00:07:22: Und vor allem auch zeigen.

00:07:25: Ich finde dieser Gedanke lässt sich sogar noch weiterfassen, denn auch außerhalb der Fotografie wählen wir ständig aus was wir zeigen auf Social Media in Gesprächen und in der Art Wie Wir uns alltäglich präsentieren.

00:07:42: und vielleicht ist es auch da genau so dass das was wir zeigen, nie zufällig ist.

00:07:49: Sondern immer auch etwas darüber aussagt, was uns wichtig ist.

00:07:55: und selbst wenn du nicht fotografierst sondern einfach nur Bilder von dir aus wählst zum Beispiel für Social Media oder irgendein Profil gilt das im Grunde genauso.

00:08:08: manche wählen eher ruhige zurückhaltende Bilder andere eher dynamische und offene Und oft sagt das mehr über die Person aus, die auswählt als über das Bild selbst.

00:08:22: In der Porträtfotografie wird das besonders sichtbar weil wir uns sehr bewusst mit Menschen beschäftigen – Mit Ausdruck, Mit Wirkung und mit Momenten.

00:08:35: Vielleicht ist genau der Grund dafür warum mich Porträhfotographie so interessiert?

00:08:43: weil sie nicht nur etwas über andere Menschen erzählt, sondern immer auch etwas über uns selbst.

00:08:51: Deshalb ist eine ganz interessante Frage wenn jemand nur deine Bilder sehen würde ohne dich zu kennen was würde diese Person über dich denken und was würde sie über dich spüren?

00:09:09: Und wahrscheinlich schließt sich hier auch wieder der Kreis zur letzten Folge.

00:09:16: Denn wenn deine Bilder Menschen anziehen, dann tun sie das nicht nur wegen der Person vor der Kamera sondern auch wegen deiner Art zu sehen.

00:09:28: Ich glaube dass genau das die Porträt Fotografie so besonders macht Dass ihr nicht nur ein Abbild ist Sondern immer auch eine Begegnung Zwischen zwei Menschen und damit auch Zwischen zwei Perspektiven.

00:09:43: Vielleicht sind Bilder am Ende nie nur das, was sie zeigen sondern auch das, Was wir in ihnen sehen wollen.

00:09:53: Mich würde sehr interessieren wie du das siehst.

00:09:57: Hast Du schon einmal darüber nachgedacht?

00:10:00: Was deine Bilder über dich selbst verraten?

00:10:03: Schreibt mir das gern.

00:10:05: In vierzehn Tagen geht es dann mit der nächsten Folge Wie gewohnt weiter Und bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit.

00:10:17: Bis bald, Dominik!

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